Sonntag, 10. Juni 2012

10.06.2012 - Orsonnens - Moudon

Die harten Fakten: 24 Pilgerkilometer, 5,15 h Marschzeit, 38'080 Schritte

Pilgern durch das herrliche Schwiizerland ist auf die Dauer ganz schön anstrengend. Umso wichtiger ist es, für die von den Marschstrapazen täglich von neuem ermüdenden Häupter eine erholsame und zugleich preiswerte Liege zu finden. Auch hier präsentiert unser Land ein Angebot, das seinesgleichen sucht: Hotel, Pilger- und Jugendherberge, Schlafen auf dem Bauernhof......was des Pilgers Herz begehrt.• An dieser Stelle darüber zu schreiben, würde allein einen Blog füllen. Deshalb möchte ich nur die beiden jüngsten Nachtlager erwähnen. Heute nächtigen wir in der Landwirtschaftlichen Schule in Moudon, und zwar in grosszügigen, komfortablen 2er-Zimmern. Der Blick fällt ins Grüne. Ebenso ländlich geprägt ist der Geräuschpegel. Pizzas sind bestellt und die Fussballfans haben sich nach einem Pilger-Power-Nap vor dem Bildschirm wiedergefunden.

Als ganz besonders eindrucksvoll gestaltete sich unser Aufenthalt gestern Nacht im Monastère de Fatima, einem vietnamesischen Zisterzeinserkloster in Orsonnens, fernab der gängigen Reisepfade. Dort wurde uns ein überaus freundlicher Empfang bereitet, und der Tisch war mit einem köstlichen Mahl reich gedeckt. Anschliessend durften wir einen kurzen Moment dem Abendgebet der Mönche beiwohnen, bevor uns Pilgerbegleiter, Bruder Johannes Elias, unser ganz persönliches Pilgergebet gestaltete. Ein ganz ergreifender Moment, der die sonst eher gesprächsfreudige Pilgergemeinschaft auch in der Stille vereinte.

Mit Christine Wilhelm und Theo Herren stossen zwei weitere Kurzzeit-Pilger zu uns. Der Kreis der Wanderer ist wieder auf 13 Personen angestiegen. Wer die anspruchsvollen Bergetappen durch die Innerschweiz und das Berner Oberland miterlebt hat, bekommt beim Studieren der Marschrouten durch die französische Schweiz kaum mehr Herzflattern. Mehr noch: Der Marsch von Orsonnens nach Moudon gestaltet sich zu einem wahren Pilger-Race. Das Laufen grossenteils auf Asphalt ist wenig erbauend und entsprechend steigt die Laufgeschwindigkeit im Verlauf des Tages. Am Schluss haben wir die im Pilgerführer angegebene Richtzeit tatsächlich um rund eine Stunde unterboten. Das zügige Marschtempo hindert uns jedoch nicht daran, uns an den wunderschönen Kulissen der historischen Städte zu erfreuen, an denen wir vorbeiziehen. In Romont, wen wunderts, schlagen die ehemaligen Soldatenherzen höher. Es gibt wohl kaum einen Hügel in der Region, auf dessen Strassen nicht auch Schweiss von Lenzburger Radfahrer-Soldaten klebt.
Jörgs Knie, das in den Bergetappen arg strapaziert wurde, erhält von unseren wandernden Pflegefachfrauen Christine und Julia die notwendige Zuwendung und Pflege. Die Zuversicht, dass es Genf erreicht, steigt.

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